Ras el-Hanout

Ras el-Hanout, Gewürzmischung aus Marokko
Buntes Allerlei aus dem Kifferparadies: Ras el-Hanout

Ras el-Hanout ist eine Gewürzmischung der Maghreb-Küche. Der Name bedeutet übersetzt etwa Kopf des Ladens, worunter man sich wohl den Gewürzhändler auf einem orientalischen Suq vorstellen soll, der mit wissender Miene allerlei von dem zusammenschaufelt, was seine zahlreichen Gewürzhügel hergeben. Mit etwas Glück ist er ein sensibler Feingeist, mit weniger Glück ein Grobian, der sich in der Pose des Eingeweihten gefällt. Ob es verbindliche Minimalstandards gibt, lässt sich nicht zweifelsfrei ermitteln, die meisten Ras-el-Hanout-Anbieter brüsten sich mit der schieren Menge verschiedener Gewürze, die in ihrer Mischung zur Verwendung gelangen.

Dem Päckchen meines örtlichen Gewürzhändlers entnehme ich die folgenden Zutaten (in dieser Reihenfolge): Kubebenpfeffer, Koriander, Ingwer, Pfeffer, Kreuzkümmel, Schwarzkümmel, Kardamom, Paradieskörner, Fenchel, Muskatnuss, Galgant, Ebereschenbeeren, Sternanis, Nelke, Zimt, Orangenblüte, Zimtblüte, Rosenblüte, Lorbeerblätter, Lavendelblüte und Veilchenwurzel. Das sind sage und schreibe 21 Ingredienzen, damit hätten wir die magischen »bis zu 25 verschiedenen Gewürze« fast erreicht, von denen im Zusammenhang mit Ras el-Hanout oft geraunt wird.

Beim Kauen dominiert zumindest bei dieser Version eine massive, pfeffrig schmeckende Schärfe. Als Folge so vieler Zutaten schmeckt erwartungsgemäß jede Prise ein wenig anders und die eine oder andere Komponente lässt sich durchaus isolieren. Dass mich der Gesamtklang überzeugt, kann ich indessen nicht behaupten, mir erscheint die Mischung als wirres Sammelsurium ohne jede erkennbare Linie. Wenn Sie lieber von komplex sprechen, ist das aber auch okay.

Rührt man das Ras el-Hanout ins Essen, hat man praktischerweise den halben Gewürzschrank drin und braucht insofern nicht viel mehr, um ein zumindest vages Bild orientalischen Sinnentaumels mit seiner Mahlzeit zu assoziieren. Wer das gut findet, mag es tun – kein Problem. Auf Dauer wird sich Ihre Küchenarbeit aber weitaus beglückender entwickeln, wenn Sie versuchen, Ihre Gewürze einzeln zu kapieren und mit Bedacht zu kombinieren, statt sich Wundertüten aus tausendundeiner Nacht zu bedienen.