Minze

Grüne Minze (Mentha spicata »Myntza major«)
Grüne Minze (Mentha spicata »Myntza major«)
  • ENmint
  • FRmenthe
  • EShierbabuena, menta
  • ITmenta

Bei Minze müssten wir botanisch genau genommen von Minzen sprechen, weil der Begriff keine Art bezeichnet, sondern die Gattung Mentha aus der kräutermäßig weitläufigen Familie der Lippenblütler. Von den Minzen existieren 20 bis 30 Arten und zahllose Hybriden, deren gemeinsames aromatisches Merkmal das charakteristische Menthol ist, die ansonsten aber gravierende Unterschiede aufweisen können.

Möglicherweise bedingt durch allgegenwärtige Erzeugnisse wie Pfefferminztee, -bonbons und -kaugummi verwenden viele Leute Pfefferminze als Synonym für Minze. In Wahrheit handelt es sich dabei um die Art Mentha x piperita, die mit einem belebend pfeffrigen Aroma ausgestattet ist und für beliebte Minzeträger wie Hugo oder den Eisbecher wohl nicht die glücklichste Wahl wäre. Kulinarisch bedeutsamer sind:

  • Grüne Minze (Mentha spicata), auch als Spearmint geläufig, ist die beliebteste Minze auf der britischen Insel, wo sie beispielsweise für den Klassiker mint sauce herangezogen wird.
  • Ihre Varietät Marokkanische Minze oder Nanaminze (Mentha spicata var. crispa) kennt jeder, der schon mal in Marokko war, wo sie unter vielem anderen fürs Nationalgetränk Thé à la menthe sorgt. In der Aromenwelt der nordafrikanischen und nahöstlichen Küchen zählt sie zu den prägendsten Zutaten, nach meinem Dafürhalten ist sie die Minze schlechthin.
  • Rundblättrige Minze oder Apfelminze (Mentha suaveolens) duftet intensiv nach Äpfeln, ihr Mentholgehalt bleibt moderat. Als milde Sorte ist sie rundum einsetzbar.
  • Wasserminze oder Bachminze (Mentha aquatica) ist die Mutter vieler »Fruchtminzen«, die sich durch geringe Mentholpegel und das Fehlen von Schärfe hervortun. Sie eignet sich überall, wo Minze eher subtile Aromen beisteuern soll.

In der ausufernden und kosenamenreichen Sortenvielfalt der Minzen den Überblick zu verlieren, ist nichts, was Ihnen peinlich sein müsste, vermutlich behält den keiner so richtig. Was nicht schlimm ist: zur Not zupfen sie ein Blatt ab und machen die Geruchs- und Geschmacksprobe – irgendwie genehm sind die Minzen alle. Trocken eignen sie sich allerdings in erster Linie für Tee, zum Kochen verwende ich sie nur in Ausnahmefällen.

Minze im Garten oder im Blumentopf zu unterhalten, bewältigen selbst untalentierte Hobbygärtner. Da sie zum Wuchern neigt, sollte die Pflanze sich keinesfalls mit anderen Kräutern dasselbe Gefäß teilen, denen Sie ebenfalls eine faire Überlebenschance einräumen möchten. Problemlos ist hingegen die Gemeinschaft verschiedener Minzearten im selben Topf.

In der Küche

Menthol erzeugt bekanntlich den Eindruck von Kühle und Frische. Bei der Minze kommen, unterschiedlich ausgeprägt, Süße und Fruchtaromen dazu, was ihr eine gefällige Grundanmutung verleiht. Es mag wohl sein, dass es irgendwo auf der Welt fanatische Minzehasser gibt, begegnet ist mir bis heute allerdings keiner, was mich vermuten lässt, dass ihre Gruppe nicht übermäßig groß ausfällt.

Gerichte

  • In europäischen Küchen dürfte ein Großteil der frischen Minze in Cocktails und Süßspeisen wandern, bei Letzteren primär solche mit Eiscreme, Joghurt, Sahne, (dunkler) Schokolade und/oder Früchten. Das ist nicht nur gut so, sondern macht viele Zubereitungen überhaupt erst interessant, die ohne Minze nur so lala wären.
  • Ungleich breiter wird Minze in den erwähnten Nahost- und Maghreb-Küchen eingesetzt, die generell dazu neigen, schwerere und pikante Zubereitungen mit blumigen, fruchtigen und süßen Aromen aufzubrechen, wozu die Minze geradezu prädestiniert ist. Couscous, Tajines und ganz allgemein Schmorgerichte, etwa vom Lamm, kommen fast sicher mit Minze im Gefolge, und sei es in einem begleitenden Dip oder Mus. Auch in Salaten, etwa dem Klassiker Taboulé ist das Kraut eine unverzichtbare Zutat.
  • Wenn Sie Gurken oder (junge) Karotten mit Minze zusammenbringen, können Sie mit breitester Zustimmung rechnen. Ähnlich verhält es sich mit (jungen) Erbsen, (neuen) Kartoffeln, Paprikaschoten, Roter Bete und Tomaten.

Begleitaromen

Am naheliegendsten ist die Verbindung zu fruchtigen und und säuerlichen Aromen: Zitrusfrüchte, Essig, Zitronengras oder Joghurt und Kräuter wie Koriander und Zitronenverbene. Unter den Kräutern finden sich auch Idealpartner, die man nicht unbedingt erwartet hätte, etwa Dill. Sympathisch sind der Minze ferner Honig, Ingwer, Kardamom, Käse, besonders Feta, Paprikapulver und Vanille.