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Zitronen, Limonen, Limetten

ENlemons | limes, limettas
FRcitrons | limes
ESlimónes | limas
ITlimoni | limette

Sie wissen, was eine Zitrone ist, jeder weiß das. Aber kennen Sie den Unterschied zwischen Limonen und Limetten? Ich erst seit Kurzem. Vorher mutmaßte ich, dass es den gar nicht gebe, sondern wir es mit sprachlicher Schludrigkeit zu tun hätten. Geschludert wird in Wahrheit bei den gelben ovalen Zitrusfrüchten, die Sie, ich und alle anderen für Zitronen halten, was nicht falsch ist, aber Limonen sind es eben auch, während Limetten die kleineren und runderen grünen Exemplare bezeichnen. Botanisch liegen beide Früchte nicht weit auseinander, sie gehören derselben Gattung der Zitruspflanzen (Citrus) an, in die sich außerdem Orangen, Mandarinen, Clementinen, Bergamotten, Grapefruits, Pomeranzen, Pomelos, Lumien und weitere derzeit etwa 50 Arten einreihen, deren Zahl durch eifriges Gekreuze immer weiter anwächst.

Zitronen / Limonen

Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, ich jedenfalls habe in meinem ganzen Leben noch keine Zitrone je Limone genannt und ich kenne auch niemand, der das tut. Vermutlich werden selbst Gemüsehändler nicht sicher sein, was Sie wollen, wenn Sie nach einer Limone verlangen. Fixieren lässt sich immerhin, wann ich den Begriff Limone zum ersten Mal hörte: 1969, in einem TV-Werbespot der Seife Fa, der vorgab, »die wilde Frische der Limonen« sei in ihr enthalten. »Wild« (in Anbetracht der Zeit und aus meiner Präpubertierendenperspektive) war zweifelsfrei die vorsichtshalber psychedelisierte, aber dennoch erkennbar nackte Frau, die in einem Meer schwamm, weil die Agentur zurecht annahm, Limonen vorzuzeigen risse definitiv keinen vom Fernsehsessel. Was immer die Limone sein mochte, man erfuhr es nicht – die triviale Zitrone konnte jedoch kaum gemeint sein.1 An der war so gar nichts Wildes, man zerdrückte sie überm panierten Schnitzel und tat sie in den Tee. Und wenn man sich »drin spiegeln« konnte, wo mit Meister Proper geputzt wurde, kam jener zwar zur selben Zeit »mit Zitronenduft« um die Ecke, die putzende Hausfrau blieb freilich züchtig bekleidet.

Genug des Exkurses, wir wissen jetzt: Zitrone = Limone. Botanisch sind es Früchte des Zitronenbaums (Citrus x limon), einer Kreuzung aus Zitronatzitronen (Citrus medica) und Bitterorangen (Citrus × aurantium). Die Zitronatzitrone ist sozusagen die Urzitrone, die allerdings aus viel Schale mit wenig Fruchtfleisch besteht, was der gemeine Verbraucher wenig attraktiv findet, weswegen sie größtenteils industriell verarbeitet wird, beispielsweise zu Zitronat oder Likören.

Limetten

Was auf ette endet, ist immer klein, die Limette ist also eine kleine Limone, ein Limönchen. Botanisch sind es um die zehn Arten der besagten kleineren, runderen und grünen Zitruspflanzen. Verglichen mit Zitronen ist ihre Schale dünner und der Vitamin-C-Gehalt geringer. Zudem erwecken sie den Eindruck, weniger Kerne zu enthalten, doch allzu hohe Summen würde ich darauf nicht wetten. Gegen sie spricht, dass sie schneller schlapp machen, sie trocknen aus, werden entsprechend hart und geben nur noch wenig Saft ab.

In der Küche

Die kulinarische Bedeutung von Zitronen/Limonen gleich welcher Art und Größe ist fraglos immens. Sauer zählt zu den vier »gängigen« Geschmacksrichtungen und Zitrusfrüchte sind nicht nur wunderbare Säurelieferanten, sondern haben überdies ein weites Spektrum komplexer Begleitaromen im Schlepptau. Ich will nicht ausschließen, dass es Gerichte gibt, die absolut keine Säure vertragen, nur fällt mir selbst bei längerem Nachdenken keines ein. Wobei vertragen zu kurz greift: Wenn Sie egal was zubereiten und das Ergebnis zwar nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut finden, dann würde ich an Ihrer Stelle Zitronensaft in Erwägung ziehen, sofern der bislang fehlte. Seine Säure verleiht dem Gericht Frische und kontrastiert die anderen Aromen, die sich damit augenblicklich intensivieren.

Limetten gelten als aromatischer als ihre großen gelben Schwestern. Das ist im Schnitt zutreffend, darauf verlassen sollten Sie sich aber nicht. Ich kann aus eigener Erfahrung von hocharomatischen Zitronen/Limonen und lausigen Limetten berichten. Letzten Endes sehen Sie nicht hinein, der sicherste Weg zum Glück ist ein Händler, der möchte, dass Sie wiederkommen. Die Säure der Limette fällt in den meisten Fällen weniger spitz aus, aber wenn es darum geht, ein paar Spritzer oder einen Teelöffel Saft ins Essen zu bringen, brauchen Sie sich keinen Kopf zu machen, ob Sie nun Zitronen/Limonen oder Limetten nehmen.

Wenn wir übers Aroma von Zitrusfrüchten reden, sollten Sie sich näher mit deren Schale beschäftigen, die nach meinem Dafürhalten zum Aufregendsten gehört, was die Natur an Geschmack anzubieten hat. Ärgerlich ist, dass die meisten Früchte mit einer Wachsschicht versehen und mit Anti-Schimmelmittel besprüht werden – beides nichts, was man partout essen möchte. Das Wachs bekommt man durch Abwaschen mit heißem Wasser angeblich weg, beim Fungizid wäre ich eher skeptisch. Im Fall der gemeinen Zitrone bzw. Limone hat der Handel die Nachfrage inzwischen erkannt, sodass auch im normalen Supermarkt häufig unbehandelte Früchte angeboten werden. Korrekte Limetten sind dagegen, ebenso wie Orangen, Mandarinen etc., immer noch recht schwer aufzutreiben. Gesetzt den Fall, Sie wurden fündig, reiben Sie die Schale am einfachsten mit einer möglichst feinen Reibe ab – idealerweise nur den farbigen Teil. Wenn Sie einen Trüffelhobel oder guten Schäler haben, können Sie die Schale ganz dünn abhobeln und anschließend in Streifen schneiden oder fein hacken. Der Handel offeriert spezielle »Zestenreißer«, mit denen selbst Ungeübte schnell zu korrekten Zesten (dünne Streifen aus Zitrusfruchtschalen) kommen, was ich persönlich für Chichi halte, sofern Sie nicht in die gewerbsmäßige Zestenproduktion einsteigen möchten. Egal in welchem Zuschnitt: Wie der Saft sind auch die Schalen wirklich Wunderwaffen für alle Fälle.

1 Kenntnisse der verbreitetsten Fremdprachen, die ich 1969 nicht besaß, hätten den Weg gewiesen: Auf englisch, italienisch und spanisch ist die Zitrone eher eine Limone, nur im Französischen bleibt es bei der Zitrone. Die nach wie vor auf dem Markt befindliche Seife changiert übrigens zwischen Limettengrün und Limonengelb, wobei das Grün irreführenderweise klar überwiegt.