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Kohl

Wirsingkohl, ganzer Kopf
Krauskopf mit markanten Rippen: Wirsing
Grünkohl auf der Insel Reichenau
Witzbolde nennen ihn auch Oldenburger Palme: Grünkohl auf der Reichenau
ENcabbage
FRchou
EScol
ITcavolo

Was Kohl alles sein kann, hängt davon ab, wen Sie fragen. Aus kulinarischer Sicht fasst der Begriff zunächst die Unterarten des Gemüsekohls (Brassica oleracea) zusammen, die weithin bekannt sind: Blumenkohl, Broccoli, Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Rotkohl, Spitzkohl, Weißkohl und Wirsing, um nur die geläufigsten zu nennen. Ganz so einfach ist es aber nicht, wir essen auch noch eine Reihe weiterer Pflanzen der Gattung Kohl (Brassica), beispielsweise Steckrüben (B. napus subsp. rapifera), Speiserüben in verschiedenen Formen (B. rapa subsp. rapa), Chinakohl (B. rapa subsp. pekinensis) und Pak Choi (B. rapa subsp. chinensis), ebenso wie Kohl als Gewürz oder sonstwie verarbeitet, etwa braunen Senf (B. juncea). Falls Sie das schon unübersichtlich finden, dann möchten Sie die Antwort des Botanikers lieber nicht wissen, weil er auf mehr als 40 Kohl-Arten mit zahllosen Varietäten verweisen wird.

Steckrübe, Kohlrübe, komplett
Nicht gleich als Kohl zu erkennen: Steckrübe, auch Kohlrübe genannt
Brauner Senf (Brassica juncea), Samenkörner als Gewürz
Pikante Kohlsamen: Braune Senfkörner

Kohl gilt vielen als das deutscheste aller Gemüse, den Kosenamen »Krauts« verpasste man uns nicht von ungefähr. In der Tat machen alleine die Gemüsekohlsorten mehr als die Hälfte des in Deutschland geernteten Gemüses aus. Seinen Ursprung hat Kohl indessen im Mittelmeerraum, wo sich seine Kultivierung sehr früh nachweisen lässt, während die ältesten Verzehrbelege hierzulande aus dem 16. Jahrhundert stammen. Selbst das extremdeutsche Sauerkraut haben nicht wir ersonnen, sondern es stammt ursprünglich aus China und wurde bereits im antiken Griechenland ebenso geschätzt wie in Rom. Angesichts soviel Desillusionierung liegt es nahe, Trost im reichen Schatz unserer Redensarten zu suchen, wo Unbedeutendes »den Kohl nicht fett macht«, Unfug mit einem barschen »dat is doch alles Kappes« vom Tisch gewischt wird und abgedroschene Geschichten als »aufgewärmter Kohl« gelten. Das Licht, das diese Bilder auf den Kohl werfen, mag nicht das schmeichelhafteste sein, doch mit etwas Wohlwollen wird immerhin volkstümliche Heimeligkeit sichtbar, auch wenn die nicht jedem behagt. »Kohlgeruch im Treppenhaus« ist dem einen das entschwundene proletarisch-kleinbürgerliche Milieu, in dem es zwar rauh zuging, aber alle noch fest zusammenhielten, während der andere sein Ressentiment vom übel riechenden Arme-Leute-Fraß bestätigt findet.

Broccolipflanze auf Reichenau
Italienischer Kohl aus Kleinasien: Broccoli-Anbau auf der Insel Reichenau

Jenseits des unscharf Schwingenden können wir festhalten: Kohl wird rund um den Globus gern und reichlich gegessen. Sein mehr oder minder ausgeprägter Gehalt an Senfölen sorgt für den charakteristischen, zuweilen strengen Kohlgeschmack, und er ist unterm Strich ein höchst effektives und gesundes Lebensmittel. Den »Winden«, die sein Verzehr bei vielen Menschen auslöst, lässt sich durch geeignete Beigaben vorbeugen, namentlich Kümmel oder Fenchelsaat gelten als zuverlässige Antibläher. Manche Kohlfreunde schwören auch darauf, nach dem Essen Kamillen- oder Pfefferminztee als Digestif heranzuziehen.